12. August 2026

Vier Wochen, bevor Schule beginnt: Was passiert eigentlich auf unserer Sommerakademie?

Montagmorgen. Fremde Gesichter, erste Gespräche, ein Raum voller Menschen, die wissen, dass sie in wenigen Wochen an einer Schule stehen werden. Manche sind aufgeregt, manche neugierig, vermutlich sind einige von beidem ziemlich viel.

So beginnt die Sommerakademie bei Teach First Deutschland. Zum ersten Mal kommt hier der neue Fellow-Jahrgang zusammen –  vier Wochen später gehen die Fellows in ihren Schuleinsatz. Dazwischen liegt eine intensive Zeit, in der es um Unterricht geht, um Führung, um die eigene Haltung und irgendwann auch ganz konkret um die Frage: Was passiert eigentlich, wenn ich vor Schüler:innen stehe?

Die Sommerakademie ist der gemeinsame Startpunkt unseres Leadership-Programms. Und sie zeigt , was wir damit meinen, dass Menschen in Schule Verantwortung übernehmen. Unser Leadership-Programm begleitet unsere Fellows darin Changemaker:innen zu werden: In Schule und nach ihrem Felloweinsatz in dem Umfeld, in dem sie wirken möchten, denn in den zwei Jahren lernen sie nicht nur Verantwortung für Veränderung zu übernehmen, sondern auch, wie Systeme verändert werden – kleine und große.

Bevor es um Schule geht, geht es um die eigene Rolle

Die erste Woche beginnt deshalb an einer Stelle, die vielleicht überrascht: bei den Fellows selbst.

Welche Erfahrungen haben mich geprägt? Welche Werte leiten mich? Was bedeutet Führung für mich und welche Veränderung möchte ich eigentlich bewirken? Beim Lifemapping schauen Fellows auf ihren bisherigen Weg, mit ihrer persönlichen Theory of Change entwickeln sie ein Bild davon, wo sie etwas verändern möchten. Values-based, Adaptive und Inclusive Leadership machen anschließend greifbar, was Leadership im Alltag bedeuten kann.

Dabei wird es schnell konkret: Denn wer an Schule arbeitet, wird Situationen erleben, für die es keine fertige Lösung gibt.

Ein Beispiel aus Diskussionsthemen und Szenarien bei der Akademie: Die Schultoiletten sind dreckig. Man kann sie häufiger putzen oder zeitweise schließen. Das löst das sichtbare Problem vielleicht für den Moment. Spannender wird die Frage, warum Schüler:innen einen gemeinsam genutzten Raum anders behandeln als ihren eigenen und was es braucht, damit sich daran etwas verändert.

Adaptive Leadership bedeutet genau hinzuschauen, wenn Verhalten, Beziehungen oder unterschiedliche Vorstellungen darüber, was wichtig ist, eine Rolle spielen. Für Fellows heißt das auch: aushalten, dass Veränderung Zeit braucht, die eigene Perspektive hinterfragen und gemeinsam mit anderen an Lösungen arbeiten.

Und dann stehen da plötzlich Schüler:innen

Mit jeder Woche rückt der Schuleinsatz näher. Aus Fragen über die eigene Haltung werden Fragen über Lernen und Unterricht. Wie erkenne ich, was Schüler:innen schon können? Wie setze ich Ziele, die herausfordern und erreichbar bleiben? Wie plane ich eine Stunde? Wie kommuniziere ich Ergebnisse? Und wie entsteht eine Lernumgebung, in der Schüler:innen Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen können?

Auf diese Fragen folgt während der Sommerakademie irgendwann der Moment, in dem Vorbereitung auf Realität trifft: das Schulcamp.

Fellows arbeiten dort mit Schüler:innen, gestalten Lernzeiten und ChallengeLabs und erleben, wie sich das, was vorher im Workshop besprochen wurde, im Raum tatsächlich anfühlt. Nach den Einheiten gibt es Feedback im Lernteam, am nächsten Tag beginnt die nächste Runde. Aus einer Beobachtung kann eine Veränderung für morgen werden, aus einem Moment, der gut funktioniert hat, etwas, das man bewusst wiederholt.

Genau diese Verbindung ist uns in der Qualifizierung wichtig. Fellows übernehmen früh Verantwortung und bekommen gleichzeitig Raum, ihre Erfahrungen zu reflektieren, Feedback zu erhalten und sich weiterzuentwickeln.

Vier Wochen sind ein Anfang

Natürlich macht eine Sommerakademie niemanden in vier Wochen „bereit“ für Schule. Das wäre für uns ein seltsames Verständnis von Lernen.

Sie setzt einen Anfang für zwei Jahre Leadership, in denen unsere Fellows weiter lernen, ausprobieren, scheitern, neu ansetzen und Verantwortung übernehmen werden. Begleitet werden sie dabei über den Schuleinsatz hinaus mit Coaching, Training, Fortbildungen und mit einer Community aus Teach First Deutschland Alumnae:i, die mit jedem Jahrgang weiterwächst.

Wie sich diese Community entwickeln kann, war in diesem Jahr schon in der ersten Woche sichtbar. Während die neuen Fellows gerade erst miteinander starteten, kamen beim (Re)Connect Day und Alumnae:i-Auftakt Menschen aus über 15 Fellowjahrgängen zusammen, die selbst an diesem Punkt standen und heute an ganz unterschiedlichen Stellen im Bildungssystem weiter wirken.

Am Montag waren es fremde Gesichter in einem Raum.

Vier Wochen später kennen diese Menschen ihre ersten gemeinsamen Herausforderungen, haben sich gegenseitig Feedback gegeben, mit Schüler:innen gearbeitet, eigene Überzeugungen hinterfragt und wahrscheinlich einiges erlebt, das am ersten Morgen noch ziemlich weit weg erschien. Aus neuen Gesichtern ist das vielleicht wichtigste geworden, was durch Herausforderungen, Rückschritte und Erfolge der nächsten zwei Jahre tragen wird: eine Gruppe von Menschen, die den Weg für gerechtere Bildung gemeinsam geht.

Und damit kann Schule beginnen.

Impressionen von Akademie, Reconnect-Day und Alumnae:i-Auftakt 2026:

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