6. Mai 2026

„Ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal in eine Schule gehe“ – Wie Toni Bildungsgerechtigkeit in Österreich mit aufbaut

Wenn Toni heute über seinen Weg spricht, beginnt er mit einem überraschenden Geständnis:

„Ehrlich gesagt hätte ich mir wirklich nicht vorstellen können, dass ich jemals wieder einen Fuß in eine Schule setze.“

– Toni Kronke

Seine eigenen Schulerfahrungen waren, wie er sagt, „nicht so prickelnd“. Nach der Schule zog es ihn bewusst in eine ganz andere Richtung. Er studierte etwas völlig anderes, arbeitete im entwicklungspolitischen Kontext – Schule war für ihn kein Ort, an den er zurückkehren wollte.

Bis zu dem Moment, als er zufällig einen Artikel über den Start von Teach First Deutschland las. Der erste Fellow-Jahrgang sollte beginnen. Und plötzlich war da ein Gedanke:
Hier entsteht etwas von Grund auf. Hier kann man an die Basis dessen gehen, wo Gesellschaft gemacht wird – im Bildungssystem.

Was ihn besonders anzog, war nicht nur die Idee, sondern das Netzwerk: „Da kommen gute Leute aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, die alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten wollen.“

Er bewarb sich – und nennt diesen Schritt heute eine „super Entscheidung“.

Fotoscredits: Teach For Austria

Realität, die man nicht mehr ignorieren kann

Während seiner Fellow-Zeit machte Toni eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt.

Er hatte zuvor viel im internationalen Kontext gearbeitet, doch die sozialen Realitäten an deutschen Schulen trafen ihn unerwartet: „Ich hätte nie gedacht, auf solche Geschichten in Deutschland zu treffen.“

Er sah Jugendliche mit enormem Potenzial – offen, klug, motiviert – und gleichzeitig riesigen strukturellen Hürden, die ihnen im Weg standen. Diese Diskrepanz ließ ihn nicht mehr los. „Das hat mich wirklich geprägt. Und das hat mich bis heute nicht losgelassen.“

Was als zweijähriger Einsatz begann, entwickelte sich zu einer langfristigen Mission.

Vom Fellow zum Mitgründer einer Bildungsbewegung

Nach seinem Fellowship ging Toni nach Wien, um beim Aufbau von Teach For Austria mitzuwirken.
Heute ist sein „Ort für Veränderung“ klar: Teach For Austria.

Dort arbeitet er daran, Bildungsgerechtigkeit im österreichischen Bildungssystem strukturell zu verankern. Die Organisation hat sich in den vergangenen Jahren zu einer relevanten Stimme entwickelt – mit Kontakten ins Ministerium, in Bildungsdirektionen, Universitäten und pädagogische Hochschulen.

Veränderung zeigt sich manchmal im Kleinen, sagt Toni. Aber auf Ebene des Social Leadership Programms mit den Fellows sei sie „sehr, sehr groß“.

Wenn er heute sieht, welche Wege Alumni von Teach For Austria im Bildungssystem und darüber hinaus gehen, wird deutlich: Der Aufbau dieser Organisation war kein Nebenprojekt, sondern eine strukturelle Intervention.



Die Initialzündung

Was wäre ohne das Fellowship passiert?

„Wenn ich nicht Fellow gewesen wäre, wäre ich nicht hier.“
Für Toni war das Fellowship die prägendste berufliche und persönliche Erfahrung.
Ohne diese Zeit hätte er nicht beim Aufbau von Teach For Austria mitgewirkt – und wäre heute nicht Teil der Geschäftsführung.

Er nennt es rückblickend die „Initialzündung für alles, was ich jetzt tue.“

Ein Rat an neue Fellows

Wenn Toni heute neue Fellows begrüßt, gibt er ihnen vor allem eines mit: Neugier.

„Das Wichtigste ist wirklich, neugierig zu sein und neugierig zu bleiben.“

Und er erinnert sie daran, warum sie gestartet sind: weil sie zu Bildungsgerechtigkeit beitragen wollten. „Jetzt ist genau die Zeit, genau das zu tun.“

Zwei Jahre, in denen man wirklich reingehen kann. Mit Anspruch. Mit Weitblick. Nicht im „Schultunnel“ versinken, sondern den Kopf heben, das Netzwerk nutzen, Möglichkeiten eröffnen – für die Jugendlichen, mit denen man arbeitet.

Für Toni war das Fellowship kein Zwischenstopp.
Es war der Beginn eines Weges, der ihn vom skeptischen Schulabsolventen zum Mitgestalter eines Bildungssystems geführt hat.

Und vielleicht ist genau das die größte Wirkung: Dass aus einer zufälligen Zeitungslektüre eine Bewegung für Bildungsfairness entstehen kann.

 

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