Julia war zwei Jahre lang Fellow an einer Schule in Baden-Württemberg. Heute arbeitet sie bei Sindbad Österreich, wo sie ein Mentoring-Programm für sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche koordiniert. Doch bevor sie dort ankam, prägte sie ein zentraler Gedanke während ihres Fellow-Einsatzes:
„Warum fragen wir eigentlich immer, welches Fach jemand unterrichtet?“
Für Julia war diese Frage von Anfang an die falsche. Sie stellt für sie nicht das Wesentliche in den Mittelpunkt – nämlich die Schüler*innen selbst. Statt reiner Fachinhalte ging es ihr im Unterricht um etwas Grundlegenderes: kritisches Denken, Selbstwirksamkeit und Haltung. Und um das kleine große Wort: „Warum“.
Kritisch sein, sich nicht kleinmachen lassen
In ihrer Rolle als Fellow entschied sich Julia bewusst, den fachlichen Fokus zugunsten grundlegender Kompetenzen zu verschieben. „Ich habe den Schüler:innen mitgegeben, zu fragen: Warum ist das so? Und – genauso wichtig – warum nicht?“
Diese Haltung war ihr Weg, um jungen Menschen Werkzeuge in die Hand zu geben – für das Leben und für all die kleinen und großen Widerstände, die auf sie zukommen.
„Wenn ihnen jemand noch einen Stein auf ihre eh schon hohe Mauer legt, dann sollen sie auch fragen dürfen: Warum eigentlich?“
Lernen durch Erfahrung und die Kraft der Beziehungen
Dass ihre Wirkung oft erst mit zeitlicher Verzögerung sichtbar wird, hat Julia auf eine besondere Art gelernt. Auch wenn sie in ihrer Zeit als Fellow nicht immer alle Antworten parat hatte – auf die Frage, warum man den Satz des Pythagoras braucht zum Beispiel – blieb ihr eines klar: „Es gibt immer mindestens eine Lösung – in der Mathematik wie im Leben.“
Und wenn man die Lösung nicht selbst findet? Dann braucht es Menschen, die helfen oder wenigstens ein „Formelheft“ fürs Leben. Diese Denke prägt auch heute ihre Arbeit in der Bildungslandschaft.
Beruflich angekommen – dank der Einsatzzeit
Heute begleitet Julia Jugendliche in einem sensiblen Übergang: von der Schule in den Beruf oder die Ausbildung. „Ohne die direkte Arbeit mit Schüler:innen während meines Fellowships wäre ich heute wahrscheinlich nicht dort, wo ich bin.“
Die Erfahrungen, die sie an ihrer Einsatzschule gesammelt hat, prägen nicht nur ihre berufliche Richtung, sondern auch ihre Haltung und Leidenschaft für Bildungsarbeit.
„Keine Ahnung, wo ich heute arbeiten würde ohne diese unfassbar tolle Zeit – mit TFD, mit meinen Kolleginnen, aber vor allem mit meinen Schüler:innen .“
- Julia Hulka
Ein Rat für neue Fellows
An zukünftige Fellows richtet Julia einen klaren Appell: „Mach dir nicht zu viel Stress am Anfang. Es wird nicht so, wie du es dir vorstellst – es wird besser, verrückter, dynamischer und viel lustiger.“
Der Schulalltag hält unzählige Überraschungen bereit – darunter auch, dass ein Schüler ihr irgendwann mal die Haare geschnitten hat.
„Vertrau darauf, dass dein Einfluss sichtbar wird, auch wenn es vielleicht erst Jahre später passiert.“
Julias Geschichte steht für eine Haltung, die Schüler:innen nicht nur unterrichten will, sondern ernst nimmt. Und für eine Perspektive auf Bildung, die über Fächer und Stundenpläne hinausgeht; hin zu echter Veränderung.
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