13. April 2026

Manchmal wirkt man stärker, als man denkt – Ninas Weg von der Schule zur Demokratiearbeit

Nach dem Soziologiestudium wusste Nina, woran ihr Herz hing: soziale Gerechtigkeit, Integration und Bildung. Was ihr fehlte, war der konkrete Zugang – Praxis, Erfahrung, Raum zum Ausprobieren.

„Ich wollte in diesem Bereich arbeiten, aber ich hatte keinerlei praktische Erfahrung“

  • Nina Rösch (Fellow 2018–2020, Hamburg)

Besonders vor dem Unterrichten hatte sie Respekt. Doch im Bewerbungsprozess bei Teach First Deutschland machte es „Klick“. „Ich hatte das Gefühl: Das passt. Teach First und ich – das könnte funktionieren.“

Zwei Jahre lang unterstützte Nina als Fellow Schüler*innen an einer Schule in Hamburg – und legte dort das Fundament für das, was sie heute macht.

 

Zwischen Zweifel und Wirkung

Die Zeit als Fellow war alles andere als einfach. Nina beschreibt sie als herausfordernd – emotional, fordernd, oft überfordernd. Besonders im ersten Jahr zweifelte sie daran, ob sie der Aufgabe gewachsen war. „Ich habe mich oft gefragt, ob ich wirklich die Richtige für diesen Job bin“, sagt sie offen. Hinzu kam, dass ihr Einsatz mitten in der Coronapandemie endete – viele Prozesse blieben offen, viele Kontakte brachen plötzlich ab. Es fühlte sich nicht rund an.

Und doch: Die Wirkung ihrer Arbeit zeigte sich – leise, spät, aber tief.

„Ein Jahr nach meinem Einsatz wurde ich zur Abschlussfeier meiner Klasse eingeladen“, erinnert sich Nina. Dort begegnete sie einem Mädchen, das sie im Unterricht eng begleitet hatte: Anfangs still, mit Förderbedarf, häufig übersehen. Durch kontinuierliche Beziehungsarbeit und Ermutigung gewann das Mädchen Vertrauen – nahm an Ninas Schulbücherei-Projekt teil, öffnete sich, stellte Fragen im Unterricht. Nun, ein Jahr später, erhielt sie nicht nur die Zulassung zur Oberstufe, sondern auch einen Schulpreis für eine besonders erfolgreiche Entwicklung.

„Ich durfte ihr zujubeln“, sagt Nina. „Und da wurde mir klar: Ich habe vermutlich viel häufiger einen Anstoß für Veränderung gegeben, als mir das im Moment bewusst war.“ Diese Erfahrung begleitet sie bis heute – als Beweis dafür, dass Veränderung nicht immer laut sein muss, um Wirkung zu entfalten.

Quelle: Deutscher Youth for Understanding Komitee e. V. (YFU)

Heute: Strukturen schaffen, in denen andere wachsen

Heute arbeitet Nina hauptamtlich bei einem gemeinnützigen Verein, der sich für Vielfalt und demokratische Bildung starkmacht. In ihrer Rolle koordiniert sie ein bundesweites Programm, bei dem junge Ehrenamtliche Toleranzworkshops an Schulen durchführen.

Für Nina ist das mehr als ein Job: Es ist ihr Ort für Veränderung. Hier kann sie ihr theoretisches Wissen aus dem Studium mit den praktischen Erfahrungen aus dem Fellowship verbinden.  Sie bringt Struktur und Sinn zusammen – Projektmanagement, pädagogisches Feingefühl und gesellschaftliches Engagement.

(Bildquelle: Deutschen Youth for Understanding Komitee e. V. (YFU)) 
Besonders beeindrucken sie die jungen Menschen, mit denen sie arbeitet: „Die vielen jungen Menschen, die sich neben Schule, Studium oder Beruf für Vielfalt und demokratische Werte einsetzen, sind wahre Changemaker.” Sie darf Räume schaffen, in denen sie sich entfalten, Verantwortung übernehmen und echte Selbstwirksamkeit erleben.

 

Netzwerk als Ressource – bis heute

Neben den fachlichen Fähigkeiten hat Nina aus dem Fellowship noch etwas mitgenommen, das sich schwer in Worte fassen lässt – das Netzwerk.

Sowohl freundschaftlich als auch beruflich sind ihr viele Menschen aus der TFD-Community geblieben. Besonders deutlich wurde das bei einer Preisverleihung, bei der ihr aktuelles Projekt mit dem PHINEO Wirkt-Siegel ausgezeichnet wurde. Dort traf sie auf gleich mehrere andere Alums & Mitgründer*innen anderer Initiativen, Mitarbeitende bei sozialen Projekten. „Es war fast wie ein kleines Klassentreffen“, lacht sie.„Dieser Spirit, Zusammenhalt und Can-Do-Attitude habe ich aus meinem Fellow-Einsatz mitgenommen und öffnet noch heute zahlreiche Türen.”

Was wäre ohne Teach First Deutschland?

Was wäre anders gelaufen ohne das Fellowship? Nina ist sich sicher: Eine ganze Menge. Sie hätte sich vielleicht nicht getraut, in den Bildungsbereich einzusteigen. Vielleicht hätte sie nicht dieselbe Gelassenheit im Umgang mit Herausforderungen, nicht dieselbe Sicherheit im Auftreten, nicht diese Klarheit in ihrer Haltung.

Quelle: YFU
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