Ohne Richtung reagieren wir. Mit einer klaren Theory of Change entwickeln wir Wirkkraft.
Genau darum ging es im Workshop von Natalie Rappert bei Fortbildung 1 für unseren aktuellen Fellow-Jahrgang: Fellows haben begonnen, ihre persönliche Theory of Change zu entwickeln: als Kompass für ihren Weg im Fellowship und darüber hinaus.
Im Kern steht dabei ein Gedanke, den Wendy Kopp auf der Teach for All Europe Conference 2025 so auf den Punkt gebracht hat:
"Change is driven by people."
– Wendy Kopp
Diese Aussage wird im Schulalltag plötzlich sehr konkret, weil Fellows jeden Tag erleben, wie viel davon abhängt, ob jemand an junge Menschen glaubt, ob Beziehungen gelingen und ob Erwartungen sich verändern dürfen.
Von einem inneren Bild zu einem konkreten Wirkungsplan
Im Workshop ging es um eine persönliche Theory of Change als Arbeitsgrundlage dafür, wie man ein Problem, das einem wirklich bedeutsam ist, wirksam angehen kann. Das beginnt bewusst innen: bei Werten, bei Stärken, bei dem, wofür jemand langfristig Energie hat.
Das Bild dazu: Die persönliche Theory of Change ist wie eine Landkarte für den eigenen Einfluss. Sie zeigt, wo man startet, welche Wege man gehen will und welches Ziel man erreichen möchte.
In diesem Workshop verbinden Fellows drei Dinge miteinander:
- ihr inneres Bild von Veränderung (was soll besser werden und warum?)
- ihre Stärken und Werte (was bringe ich mit, wofür stehe ich?)
- ihre Ziele (was will ich in den nächsten Monaten konkret bewirken?)
So wird aus einem Gefühl oder Wunsch ein Plan, der im Alltag trägt: im Klassenzimmer, im Kollegium, in Gesprächen mit Schüler:innen und in Entscheidungen, die auch nach dem Fellowship weiterwirken.
Identität und Integrität: noch bevor Methoden ins Spiel kommen
Ein Punkt, der bei Fellows oft sofort resoniert, ist die Frage nach dem „Wie“ im Klassenzimmer. Parker Palmer formuliert dazu sehr klar:
„Guter Unterricht entsteht nicht nur aus Methoden, sondern aus Identität und Integrität der Lehrperson. Wer wir sind, prägt, wie wir unterrichten – lange bevor Methoden oder Tools überhaupt eine Rolle spielen.
– Parker Palmer
Das ist ein starker Perspektivwechsel. Es heißt nicht, dass Methoden unwichtig wären. Es heißt, dass Wirksamkeit im Unterricht häufig dort beginnt, wo eine Lehrperson Klarheit darüber gewinnt, wofür sie steht, was ihr wirklich wichtig ist und wie sie auch unter Druck präsent bleiben will.
Das Fellowship denkt Leadership nicht als Wettbewerb, sondern als gemeinsames Gestalten. Und es fragt: Wie können wir gemeinsam Systeme bewegen?
„Leading Self“ als Ausgangspunkt
Deshalb geht es im Fellowship nicht nur um Methoden, Tools oder Programme. Es geht darum, wirksame Führung zu entwickeln, beginnend bei sich selbst: Klarheit, Reflexion, Verantwortung.
Eine persönliche Theory of Change hilft dabei, weil sie aus der „to do“-Liste wieder eine Richtung macht:
- Was ist gerade wirklich mein Hebel?
- Was will ich stärken, bei Schüler:innen, in meinem Team, in der Gesellschaft, in mir selbst?
- Welche Schritte sind realistisch, aber ambitioniert?
Stärken sind Werte in Aktion
Wichtig ist dabei auch ein Bewusstwerden über die eigenen Stärken: Stärken sind nicht nur Dinge, die man gut kann, sie sind Aktivitäten, die einen selbst stärken, gerade in schwierigen Situationen und sie sind Werte in Aktion. Das ist hilfreich, weil es Fellows erlaubt, ihren eigenen Hebel realistischer zu sehen: Wo bringe ich dauerhaft Energie und Wirkung ein, wo bleibe ich auch dann dran, wenn es anstrengend wird.
Wirkkraft im Fellowship und darüber hinaus
Teach First Deutschland denkt Wirkung auf mehreren Ebenen: für Schüler:innen, für Fellows und für das System.
Gerade deshalb ist die persönliche Theory of Change so wichtig: Sie macht sichtbar, wie Lernen und Wirkung zusammenhängen und wie der eigene Weg als Fellow Teil einer größeren Veränderung sein kann.
Kurz gesagt: Fellows wirken nicht nur im System. Sie entwickeln sich zu Menschen, die Veränderungen im System anstoßen: Heute im Klassenzimmer, morgen in der Gesellschaft.