1. April 2026

Wirkung, die bleibt: Warum 1+1 mehr als 2 ist

Am letzten Tag des vergangenen Jahres endete für Bettina ein unglaublich prägender Lebensabschnitt. Vor etwas mehr als 15 Jahren begann sie als Fellow von Teach First Deutschland an der Schule An der Burgweide.

Nach einer Promotion im Bereich Bodenökologie war das „nicht der naheliegendste Schritt“ und doch wurde ihr schon in der Vorbereitung klar, wie viele Parallelen es gibt.

Ein Satz aus dieser Zeit trägt sie bis heute:

„Alle Teile des Ganzen sind wichtig"

Bettina Schmidt

Von Bodenökologie ins Klassenzimmer und mitten ins Ganze

Für Bettina ist dieser Satz mehr als ein grundlegender Gedanke aus der Ökosystemforschung. Er beschreibt, wie Schule funktioniert: als Zusammenspiel von Kindern, Kollegium, Eltern, dem Stadtteil, Strukturen, Chancen und den vielen unsichtbaren Faktoren, die darüber entscheiden, ob Lernen gelingt.

Dass die Schule An der Burgweide für sie „etwas Besonderes“ ist, zeigt sich auch darin, dass die Schule in diesem Jahr auf großer Bühne Anerkennung bekommen hat – ein Moment, über den sich Bettina und die Schule sehr freuen. 

Forschungswerkstatt, Schulgarten, Sachunterricht und echte Gestaltung

Während und nach ihrer Fellow-Zeit hat Bettina an der Schule sehr konkret mitgestaltet:

Sie durfte eine Forschungswerkstatt und einen Schulgarten gemeinsam mit Kindern und Erwachsenen gestalten, ihre Expertise in den Sachunterricht einfließen lassen und über viele Jahre die Schulsteuergruppe moderieren und beraten. 

Was Bettina dabei mitgenommen hat, fasst sie nicht über Methoden zusammen, sondern über Beziehung und Haltung: Einblicke in andere Lebenswelten, Begegnungen, die bleiben und eine pädagogische Haltung, die bis heute trägt.

Wie ein Fellowship den Weg in MINT-Bildung möglich macht

Bettina beschreibt offen: Direkt nach der Uni hatte sie „so gar keine Ahnung“, wie sie mit Kindern MINT umsetzen sollte. Auf der Suche nach Unterstützung stieß sie auf die Stiftung Kinder forschen (damals: „Haus der kleinen Forscher“) und wurde später Trainerin und Netzwerkkoordinatorin für die Stiftung in Hamburg. 

Auch nach ihrer „offiziellen“ Fellow-Zeit  blieb Bettina an der Schule, wenn auch mit weniger Stunden. Besonders spannend war dabei immer ihr Blick auf das Zusammenspiel beider Arbeitswelten: Als Netzwerkkoordinatorin gewann sie Einblicke in den Alltag einer Grundschule, und an der Forschungswerkstatt wusste sie, welche Materialien, Fortbildungen oder Kurse hilfreich sein können. Beides hat sich gegenseitig verstärkt. 

„1+1 ist mehr als 2“

Bettina formuliert einen Satz, der vielen bekannt vorkommen dürfte, die zwischen zwei anspruchsvollen Systemen pendeln: „1+1 ist mehr als 2“ und gleichzeitig ist die Energie, die man für das ständige Wechseln braucht, „nicht zu unterschätzen“.

Dazu kam etwas sehr Menschliches: das Bedürfnis, sich auch außerhalb der Arbeit zu engagieren und die Realität, dass dafür irgendwann die Kraft fehlt. Für Bettina wurde klar: Sie braucht mehr Zeit für sich. Und die einzige sinnvolle Konsequenz war, an der Schule aufzuhören.

Abschied mit leichtem Schlüsselbund und schwerem Herzen

Ende Dezember 2025 hat Bettina Abschied gefeiert und beschreibt diesen Moment genauso, wie er oft ist: weinen, lachen, beschenkt werden. Sie wird wiederkommen, „zu verschiedenen Anlässen“. Und dann dieser Satz, der hängen bleibt: „Mein Schlüsselbund ist leichter, mein Herz gerade etwas schwerer … Danke für alles.“ 

Bettinas Geschichte zeigt

Bettinas Weg macht sichtbar, was Teach First oft ausmacht: Menschen bringen ihre Expertise an Orte, an denen sie gebraucht wird und werden dabei selbst geprägt. Nicht als gerader Karrierepfad, sondern als Reise, in der Haltung wächst, Beziehungen zählen und das „Ganze“ sichtbar wird.

Du möchtest selbst deine Fellow-/Alumni-Story teilen?

Dann schreib gern an Astrid Große-Korolczuk: astrid.grosse-korolczuk@teachfirst.de

Über Bettina Schmidt

Bettina war 2010 Fellow an der Schule An der Burgweide in Hamburg.

Heute ist sie Netzwerkkoordinatorin beim Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY für die Angebote der Stiftung Kinder forschen. Dort ist sie u.a. zuständig für Vernetzung und Fundraising und die Entwicklung neuer Fortbildungsformate. Außerdem begleitet sie selbst pädagogische Fachkräfte im frühkindlichen Bereich bei ihrer Weiterentwicklung als Lernbegleitung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Foto: Vera Drebusch
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